Nach dem ersten Erfahrungsbericht im Dezember können wir euch heute einen weiteren Erfahrungsbericht über den Tado-Einsatz geben.
Mein Starterpaket bestand aus einem smarten Thermostat und zwei Heizkörper-Thermostaten. Ersteres ersetzte das zentrale Raumthermostat meiner Junkers-Gastherme, die beiden Heizkörper-Thermostate die Drehregler an den Heizkörpern. Ende Dezember habe ich weitere Thermostate gekauft und die restlichen Heizkörper umgerüstet. Zum Einrichten ist nicht viel zu sagen: Mit dem Handy und der App sind die Heizregler schnell installiert und in die Benutzeroberfläche eingebunden.




Aufwändiger war hingegen der Installationsprozess und Ersatz des zentralen Raumthermostates. Zwar kann auch hierbei alles über die App erledigt werden, die an sich ausführliche Schritt für Schritt-Anleitung hat an der einen oder anderen Stelle aber ein paar Unschärfen. Hier musste ich das eine oder andere mal den Prozess neu starten, weil ich nicht gleich zum Ziel wie in der Anleitung beschrieben gekommen bin. Der Telefon-Support war wenig hilfreich, weil ich nicht durchgekommen bin – das lag aber vielleicht daran, dass es zwischen den Weihnachtsfeiertagen weniger „Besatzung“ im Callcenter gab. Vermutlich aus dem gleichen Grund haben auch Email-Anfragen mindestens einen Tag lang gedauert ...



Heizpläne erstellen leicht gemacht
Pro Raum kann ein individueller Heizplan hinterlegt werden. Berücksichtigt werden hier die Zieltemperaturen, aber beispielsweise auch Heizung-Aus-Zeiten und Abweichungen vom Messort des Heizkörper-Thermostates zur Raum-Mitte. Leider lassen sich die Pläne nicht speichern oder kopieren. Sie müssen für jeden Raum manuell angelegt werden. Hier ist deutlich Luft nach oben in puncto Usability.
Positiv ist festzuhalten, dass das System durch Verbinden mit dem Smartphone und der Freigabe der Ortungsfunktion ohne großes Zutun die „ortsabhängigen Steuerung“ aktivieren und einstellen kann. Das funktioniert vor allem dann gut, wenn der eigene Arbeitsplatz so weit vom Zuhause entfernt ist, dass das System die Entfernung zum Zuhause messen kann. Befindet sich der Arbeitsplatz über die Straße zwei Häuser weiter, wird die automatische Abwesenheitserkennung wahrscheinlich fehlschlagen.


Theoretisch könnte man die smarte Heizung auch so konfigurieren, dass das System erkennt, wenn ich mich auf den Heimweg begebe. Das führt zu einem früheren Aufheizen des Zuhauses, aber gleichzeitig auch zu einem Mehrverbrauch an Energie. Eventuell teste ich das im Herbst zur Beginn der neuen Heizsaison.
Erfolgsbericht im Februar
Der Energiesparbericht für den Dezember war wenig aussagekräftig. Das lag aber eher daran, dass hier nur wenige Tage nach Weihnachten berücksichtigt worden sind. Der Jänner, der überwiegend mit dem vollausgebauten System absolviert wurde, brachte dann eine Einsparung von 27 Prozent. Ich war relativ skeptisch, ob denn das tatsächlich stimmen konnte. Aufgrund der milden Temperaturen tendierte ich dazu, das zu glauben. Schließlich war ich lange Zeit nicht zuhause und auch die Lüftungserkennung und Wetterbeeinflussung erschien plausibel.





Mit dem gleichen Heizplan startete ich auch in den Februar. Vor allem die zweite Februar-Hälfte, in der lange Zeit Temperaturen deutlich unter -10 Grad herrschten, sollte eine Härteprobe werden. Tatsächlich war es so, dass an zwei oder drei Tagen Ende Februar das Temperaturniveau niedrig war. Für mich waren 20 Grad Raumtemperatur erträglich und mit dem Griff zur Fleece-Jacke erledigt. Beziehungstechnisch sind 19 Grad am Freitagabend eine argumentative Herausforderung. Auch wenn ich argumentierte, dass das Absicht war um unter die Kuscheldecke schlüpfen zu dürfen, führte das letztlich zu einer Heizplananpassung!
Trotzdem wurde der Februar mit einer Energieeinsparung von 39 Prozent abgerechnet. Da der tatsächlich über den Gaszähler abgerechnete Verbrauch für Februar nominell unter dem Jänner-Verbrauch lag , ist auch dieser Wert plausibel. Würde die Energieeinsparung im März ähnlich ausfallen, ließe sich eine deutliche Einsparung auf das Jahr bereits jetzt hochrechnen und das System hätte sich bereits jetzt ausgezahlt.
Kritikpunkte: Webtool und kostenlose Adapter
Über die Verarbeitung und die Wertigkeit der Heizkörper-Thermostate kann man nicht meckern. Sie fühlen sich hochwertig an, die Leuchtpunkte zur Informationsdarstellung sind klar und hell. Das ganze Design in edlem Weiß integriert sich problemlos und elegant in jede Umgebung. Der Preis pro Thermostat erscheint deshalb angemessen.
Richtig minderwertig erscheinen hingegen die Adapter für die verschiedenen Heizkörperanschlüsse – die sind aus Plastik und machen keinen stabilen Eindruck. Das hat sich leider auch sehr schnell bestätigt und das Thermostat hält nicht richtig fest am Heizkörper. Die Folge war, dass sich das Thermostat beim Zudrehen des Heizkörperventils über das Gewinde geschoben hat und abgestürzt ist. Den Aufprall am Fliesenboden hat das Thermostat dann nicht überstanden, ein Bruch der Bedieneinheit war die Folge. Tado hat den Gewindeadapter und das Thermostat relativ unkompliziert ersetzt, ärgerlich war es trotzdem. Den Ersatz-Adaptern traue ich aber nicht mehr – für den Heizkörper habe ich um ein paar Euro einen Metalladapter gekauft, auf dem jetzt alles fest sitzt. Bei dem Preis sollte man aber schon erwarten können, dass da was Gescheites dabei ist.
Ideal steuern lässt sich das System über die Handy-App. hier scheint auch das Hauptaugenmerk der Entwicklung drauf zu liegen. Warum die Bedienung am Tablet oder per Web-Interface so deutlich hinterher hinkt, ist nicht ganz verständlich.
Die Kritikpunkte im Einzelnen:
- Es gibt keine dem größeren Display angepasste Geräteübersicht am Tablet.
- Am Web-Interface sind die Energiesparberichte nicht abrufbar.
- Heizpläne lassen sich nicht kopieren und von einem Raum auf den anderen übertragen.
Es gibt zwar eine Roadmap (https://goo.gl/MzLZyR) für die weitere Entwicklung, aber dass die unterschiedlichen Zugänge so differieren, das dürfte eigentlich so nicht passieren.
Ein erstes Fazit
Obwohl noch einige Dinge der smarten Erdgasheizung noch zu verbessern und zu optimieren sind, überwiegen die Vorteile des Systems für mich schon jetzt bei weitem. Hängt aber vielleicht auch damit zusammen, dass Männer dazu neigen, sich technischen Neuerungen leichter und wohlwollender zuzuwenden als Frauen. Die smarte Erdgasheizung hat meine Erwartungen bisher übertroffen und ich kann sie nach heutigem Wissensstand nur weiterempfehlen!